Der Reiseblog von Käthe und Frank

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Meilenweit nichts!

Nach unserer Etappe auf der Great Ocean Road nähern wir uns so langsam der Grenze zum Bundesstaat South Australia. Eigentlich nichts aufregendes… sollte man meinen. Nicht so in Südaustralien. Denn kurz vor der Grenze, in Portland, bekommen wir in der Touristeninfo eine Quarantänebrochüre in die Hand. Bisher sind wir ja ganz leicht von einem Staat in den anderen gefahren ohne es wirklich zu merken. Aber bei der Überquerung der Grenze vom Staat Victoria nach Südaustralien gibt es eine kleine aber feine Besonderheit: es dürfen keine frischen Früchte mitgeführt werden 😳. Grund dafür ist die fiese Fruchtfliege, dieses Früchtchen! Diese hat wohl in der Vergangenheit schon Ein ums andere Mal dafür gesorgt dass es in Südaustralien große Ernteausfälle gab. Da die Weinanbaugebiete sowie riesigen Apfel- und Orangenplantagen in der Region wichtige Wirtschaftszweige sind, verstehen die Südaustralier da keinen Spaß und und drohen mit Strafen von bis zu 3000 AUS$. Ok… Blöd nur, dass wir gerade einkaufen waren. Also beschließen wir noch eine Nacht länger in Victoria zu bleiben und bis zum nächsten Tag alles an Obst und Gemüse in uns reinzustopfen 😬. 

Vollgefuttert mit einem Smoothie aus Rohkost und Kiwi im Bauch passieren wir also die Grenze 😊. Da wir allerdings noch eine Zitrone entsorgen müssen, die wir beim besten Willen nicht mehr verwurstet bekommen, machen wir halt am Ensorgungs-Punkt. Dabei sammeln wir an dem Mülleimer für das Obst und Gemüse allerdings derart viele Fruchtfliegen ein, dass wir die nächsten 300km Fruchtfliegensammeltaxi spielen… mitten rein nach Südaustralien für die Früchtchen. Blöd gelaufen 😅. Naja, Hauptsache die Zitrone ist entsorgt, also alles richtig gemacht.

Weiter zieht die lustige Fruchtfliegenkarawane also Richtung Adelaide. Mit den Jungs an Bord kommt richtig Stimmung auf… es beginnt ein heiteres Fliegenklatschen im Cockpit und die Zeit verrinnt wie im Flug. In Adelaide angekommen machen wir diesmal ein schönes Schnäppchen auf dem Campingplatz und können direkt in den City Bus einsteigen! Die Stimmung ist super und wir genießen für ein paar Tage Adelaide! 

Adelaide selbst ist zwar sehr schön aber nicht ganz so spannend für uns… wir sind allerdings durch Sydney und Melbourne auch ein wenig verwöhnt. Es gibt ein klein wenig Stadtgeschehen mit ein paar größeren Geschäftsketten, viele große und schöne Parks und einen recht sehenswerten Wald drumherum.

Wohnhaus in Adelaide

 

Wir finden vor allem den Queen Victoria Market sehr ansprechend. Hier bleiben keine Wünsche offen, wir finden sogar ein dunkles, nach deutscher Art gebackenes Vollkornbrot und zu Käthes großem Entzücken den originalen ultra leckeren Salzlakritz aus Holland! Genial, wie der es bis hierhin geschafft hat. Was für ein Fest nach Monaten der Lakritzabstinenz.

Queen Victoria Market in Adelaide

Da wir in Adelaide auch wieder einen Geburtstag feiern (Franks 29ster), gönnen wir uns zur Feier des Tages in einem argentinischen Steak House gegenüber vom Markt ein wirklich hervorragendes Steak von einem glücklichen australischen Rind… Ein wahrer Genuss! Boah, das tat so gut nach so langer Zeit der Supermarktwurst! 

Lecker Steak von wirklich glücklichen australischen Rindern 😋

Der nächste Tag führt uns erst einmal in ein Reisebüro. Da Franks Touristen-Visum nur einen maximalen Aufenthalt von 90 Tagen am Stück in Australien vorsieht, machen wir uns so langsam Gedanken darum wie wir das anstellen. Kurz denken wir darüber nach, dass Frank einfach für einen Tag aus- und wieder einreist um so die nächsten 90 Tage in Australien bleiben zu können. Aber wir bleiben lieber zusammen und entscheiden uns für einen „Urlaub“ auf Bali 😍! Das Reisebüro macht uns denselben Preis wie wir ihn online gesehen haben und so buchen wir kurzerhand 10 Tage Bali ab Perth! Die Vorfreude ist jetzt schon groß!

Am nächsten Tag erkunden wir dann weiter Adelaide und entdecken noch mehr kleine versteckte Gassen mit ansprechenden Restaurants und Bars. Da hatten wir allerdings schon auf dem Markt „zugeschlagen“ und wollen in der Küche auf dem Campingplatz unsere leckeren Funde vom Markt zubereiten. (Wenn es nach Käthe geht, gibt’s Lakritzsuppe 🙄).

Da das Wetter mitspielt, der Campingplatz uns sehr gefällt und wir jeden Abend ganz nette Leute beim Essen kennenlernen, bleiben wir noch länger in Adelaide. So erkunden wir an einem weiteren Tag den botanischen Garten und lassen uns durch die zahlreichen Parkanlagen treiben bis wir beim Adelaide-Zoo vorbeikommen.

Im botanischen Garten gibt es nicht nur Planzen zu sehen 😊

Hier gibt es sogar Pandas… die einzigen in ganz Australien. Also beschließen wir nächsten Tag in den Zoo zu gehen.

Eine grandiose Entscheidung. Der Adelaide-Zoo ist wirklich sensationell. Wunderschön angelegt mit tollen Gehegen in denen man das Gefühl hat, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen.

…was is da los??? 😂

Und natürlich DAS Hightlight: die beiden Pandas 😍😍😍… Frank ist sofort verliebt… über beide Ohren. Wir verbringen alleine 2 Stunden am Pandagehege und Frank schießt mindestens 200 Fotos! Hier ein paar Auszüge aus der kleinen Panda-Panik: 

Ein seltener roter Panda

 

Kleine Anekdote: während wir vor dem Pandagehege stehen, kommen 2 Biker/Rocker in Motorradlederkluft und übersäht mit Tatoos zum Pandagehege. Als einer der Pandas aufsteht sich den Besuchern genau gegenüber setzt und anfängt Bambus zu essen (siehe Fotos) herrscht erst 5 Minuten schweigen, dann sagt der eine Rocker zum anderen: „That’s the f***ing cutest thing I’ve ever seen in my f***ing life… I could just start crying!“ – „Das ist das süßeste was ich in meinem Leben je gesehen habe… ich könnte heulen!“ Wir schauen uns an und können nicht glauben was wir da gerade gehört haben… DAS war so ziemlich die skurrilste Situation die wir bis dahin so erlebt haben… Vllt findet der Gute ja noch Platz für ein Pandatattoo auf seinem Körper 😂. 

Letztendlich bleiben wir mal wieder länger als wir geplant hatten. 🙄 Und wie immer fällt uns der Abschied von einem Ort an dem wir länger verweilen schwer. Es ist als ob uns dann immer wieder ein Verlangen nach Gewohnheit packt oder weil wir wissen dass es ins Outback geht und wir jeglichen Komfort vergessen können. 😬 Wir rüsten uns noch im Supermarkt für die triste Einöde und tanken Karlerly randvoll. Wir haben 3000 Kilometer purer Einsamkeit, purem nichts vor uns! Ein bisschen Muffensausen haben wir schon… hoffentlich geht alles gut mit Karlerly! 

Die Fahrt ist tatsächlich viel angenehmer als erwartet. Wir fahren einfach, und fahren und fahren…bzw. Frank fährt 😅 und irgendwann baut Frank sich sogar mit der Lenkradsperre Mc Gyver like ein Tempomat um den Fuß zu entspannen. Es passiert sowieso nichts.

🙈

In Deutschland können 6 Stunden Autofahrt ja sehr ermüdend sein, die Straßen voller Verkehr und Stau. Dagegen muss man hier aufpassen das man vom vielen geradeausfahren nicht rammdösig wird und einen Krampf im „Gasfuß“ bekommt. So fahren wir mit spritsparenden 80km/h durch die Einöde. Dafür bedankt sich Karlerly mit einem begeisterndem Spritverbrauch und schnurrendem Motor ohne irgendwelche Flüssigkeitenverluste! Selbst den Aufsetzer auf der Great Ocean Road scheint Karlerly uns verziehen zu haben. Toi toi toi! 

Immer schön geradeaus.

So ein richtiger Roadtrip hat auch was meditatives. Wir hängen unseren Gedanken nach und nutzen die Zeit, den einen oder anderen Gedanken zu Ordnen oder Erlebtes zu verarbeiten. Oder wir hören Hörbuch und Musik oder meditieren in der australischen Einöde, dem kilometerlangen NICHTS! Ab und zu werden wir mal von einem Roadtrain überholt. Das sind Lastwagen mit bis zu 4 Aufliegern, die in einem irren Tempo (Tempolimit interessiert einfach nicht) an einem vorbeiheizen. Wir fahren ganz entspannt in 500km Etappen am Tag mit kleinen Essens- und Pinkelpausen. Das ist auch mehr als genug, denn die frühen Morgenstunden und die Dämmerung sollte man aufgrund der vielen Tiere die dann unterwegs sind vermeiden. Es ist wirklich sehr interessant wie vielseitig die Tierwelt hier in dieser Einöde ist. Wir sehen Kängurus, Emus, riesige Adler, Wombats und ein Kamel… alle totgefahren am Straßenrand 😳. Eigentlich wollten wir all diese Tiere ja lebendig sehen 😬. Wir haben zwar auch ein Bullbar vorne am Auto aber so ein ausgewachsenes Känguru oder gar ein Rind hinterlassen ja auch nicht nur einen Kratzer. 

Vorsicht!

Haben wir auf der bisherigen Strecke schon gedacht, es wäre eine öde Landschaft, erreichen wir nach ca 1500km eine Gegend namens „Nullarbour“. Das bedeutet „keine Bäume“…und da wir gerade nichts weiter auf der Agenda hatten, haben wir das mal ganz genau beobachtet… tatsächlich, es gibt keinen einzigen Baum dort, nur Steppe! Für uns ist es eine coole Erfahrung soooo weit schauen zu können und nichts zu sehen. Mit Glück sieht man vielleicht ein Kamel, Wombat oder einen Dingo… also auch mal lebendig, aber sonst wirklich nichts.

Kein einziger Baum...

 

Ganz erstaunt sind wir darüber, dass es auch im Outback mittlerweile in regelmäßigen Abständen Raststätten gibt mit einer verlassen wirkenden aber funktionstüchtigen Zapfsäule und brauchbaren Toiletten! Alle 4-6 Stunden kommt so ein Örtchen sodass man sich eigentlich keine Sorgen mehr machen muss um genügend Sprit… die Sorgen sollten eher dem Geldbeutel gelten 😬. Der Sprit ist natürlich schrecklich teuer. 

Hier möchte man auch nicht tot über’n Zaun hängen 😳

Bis auf eine Ausnahme steuern wir Abends die sehr gut ausgebauten Rastplätze neben der Straße an. Dort werden Lagerfeuer gemacht und wir tauschen uns mit anderen Reisenden aus.

Abenteuer-Romantik 😊

Die besagte Ausnahme machen wir um auf einer richtig authentischen Outback Farm zu übernachten. Allerdings verfahren wir uns erstmal gnadenlos und müssen mit Karlerly 60km über eine Schotterpiste fahren, der Arme! Zwischendurch haben wir fast aufgegeben und hätten fast mitten im Outback geschlafen, wenn wir nicht wirklich wirklich wirklich dringend eine Toilette gebraucht hätten.

Die Grenze zu Westaustralien liegt westlich, kurz hinter dem Nullabour. Doch diesmal passieren wir den Quarantänepunkt dank unserer Vorbereitungen recht einfach und ohne unfreiwillige Passagiere mitzunehmen 🐝.

Quarantäne-Checkpoint zu Westaustralien

Ab da gibts nur noch Dosenfutter, denn alles Frische durfte mal wieder nicht eingeführt werden. Zurück in der „Zivilisation“ (nach 5 Tagen Einöde  kommt einem das kleinste Dorf wie eine Großstadt vor) führt uns der erste Weg unter die Dusche im Tourismus Center und zum Wasserhahn um Trinkwasser aufzufüllen.

 

Danach fahren wir ohne Umwege weiter nach Süden, quasi nach Süd-Westaustralien, nach Esperance und zum Cape-le-Grand Nationalpark. Oder anders formuliert: geradewegs ins Paradies! Wir sind echt überwältigt. Der Cape-Le-Grand Nationalpark ist einfach nur grandios! Morgens verschaffen wir uns vom 262m hohen Frenchmens-Peak erst einmal einen atemberaubenden Überblick über den gesamten Nationalpark, bevor wir uns auf zu den tollen Buchten machen. Hier gibt es kristallklares türkises Wasser und einen schneeweißen Strand der nicht aus Sand sondern aus Milliarden fein geriebenen Muscheln besteht. Als dann auch noch kleine süße zutrauliche Kängurus am Strand verweilen kommen wir aus dem Staunen kaum mehr raus. Es ist einfach traumhaft schön hier! Es ist so toll zu sehen, was für Schätze die Natur trotz Tourismus heute noch zu bieten hat. 

Willkommen im Paradies

 

Nach 3 tollen Tagen geht es weiter, weg von der Küste, ins Landesinnere. Wir wollen „The Wave“ sehen! Eine Sandsteinwelle die vor Millionen Jahren durch Wind, Wasser und die Sonne geformt wurde. Es sieht wirklich gigantisch aus. Zwar ist es nur „ein Felsen“, ok…aber wir finden wirklich dass sich der Weg hierhin gelohnt hat. Vor allem wenn man sich vorstellt, dass diese Gegend vor Millionen von Jahren unter dem Meeresspiegel lag. Sehr sehenswert! Wir machen noch einen Spaziergang durch die Gegend und riechen den typischen Sandelholzgeruch für den diese Gegend bekannt ist. 
Danach geht es ohne weitere Umwege nach weiter Perth. Wir wollen ein paar Stadttage verbringen und Michael und seine Familie besuchen. 

Zum Glück haben wir einen Surfkurs gemacht ?

 

Dabei müssen wir leider feststellen dass Perth uns irgendwie gar nicht anspricht. In keiner anderen australischen Stadt haben wir bisher so viele offensichtliche menschliche „Problemfälle“ gesehen. Darunter auch sehr viele Aborigines. Es wird offen auf der Straße gedealt und obwohl wir bereits wissen, dass Chrystal Meth in Australien ein Problem ist, wird es uns hier spätestens bewusst. Hinzu kommt wahrscheinlich das Problem dass es in Perth ja quasi nie regnet, sodass die öffentlichen Parkbänke bisweilen recht streng anfangen zu riechen. 
Wenn man sich davon jedoch fernhält gibt es auch ganz schöne Ecken in Perth, wie zum Beispiel das Queen Elizabeth Kai.

Perth

Das i-Tüpfelchen unseres Aufenthalts ist allerdings unser Campingplatz in der Nähe des Flughafens… mitten unter der Einflugschneise. Die Flugeuge fliegen derart tief über uns hinweg, das man zum einen sein eigenes Wort nicht versteht man aber zum anderen wenigstens den Piloten winken kann 🙄…und das von morgens um 6 bis Nachts 23:30… naja, daran sind wir beiden Geizkrägen aber selbst schuld. Wir reden es uns schön und halten es genau 2 Nächte lang aus. Dann fahren wir doch lieber etwas außerhalb und chillen in einem Park etwas außerhalb von Perth. Hier verbringen wir einen Tag und ruhen uns aus und schreiben diesen Bericht.
Danach geht’s auf zur Geburtstagsparty von Michael und zum Kennenlernen seiner Familie! Michael und seine Frau May fahren ein super leckeres Barbecue auf. In einem geselligen Nationen-mix (eine Prise vietnamesisch, australisch, deutsch und israelisch) sitzen wir zusammen und essen grandioses Mie-Nudeln von May und leckeres Steak von Michaels gigantischem Barbecue. Der deutsch-vietnamesisch-australische Familientrubel mit 3 kleinen Kindern den wir erleben ist sehr sympathisch und es macht Spaß bei Familie Wolff zu Gast zu sein. Michael und May sind tolle Gastgeber, die beiden Jungs sind sehr aufgeweckt und Joilyn eine unglaublich niedliche Prinzessin, die mit ihren braunen Knopfaugen gleich verzaubert. 
Am nächsten Tag schmeißen sich Michael und Frank in die Arbeitsklamotten und bearbeiten eine unfertige Ecke der Hauseinfahrt.

Morgens wachen wir voller Vorfreude auf, denn heute geht es nach Bali!!! Es heißt also Rucksack packen, diesmal begrenzen wir uns sogar auf EINEN für uns beide (wir lernen ja dazu) und May bringt uns netterweise zum Flughafen. Karlerly dürfen wir bei den beiden unterstellen bis wir wieder zurückkommen (DANKE nochmal!). Wir freuen uns riesig auf Bali und unseren Zwischenstopp! 

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1 Kommentar

  1. Tanja 27. Juni 2017

    Hammer wie Frank immer den passenden look hinbekommt:-) schwarz/weiß bei seinen Panda Freunden und die gleiche Haltung mit dem Kängerooh einfach spitze. Lakritzsuppe wäre mal eine interessante Komposition du hast bestimmt einen Hochgenuss gehabt endlich mal wieder Lakritz:-) Ihr seit ein Spitzenteam bleibt bitte gesund und weiter so liebe Grüße in die Ferne
    Mama und Papa

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