Der Reiseblog von Käthe und Frank

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 Roadtrip Südinsel

Dunedin & Invercargill

Seit unserem letzten Bericht haben wir sehr viiiiiel im Auto gesessen und es ist genauso viiiiiel sehenswerte Landschaft an uns vorbeigezogen. Von Dunedin nehmen wir die „Scenic Route“ entlang der Ostküste runter in den Süden und fahren stundenlang im Zickzack am Pazifik entlang. Es ist eine traumhaft schöne Aussicht. Laut der Beschilderung für die touristischen Highlights könnten wir alle Nase lang irgendwo anhalten denn es wird auch jeder noch so kleine schöne Ort als sehenswert hervorgehoben. Dadurch fällt uns die Sightseeing-auswahl manchmal sehr schwer.

Cape Dunedin

Die Straßen in Neuseeland sind recht anstrengend zu fahren und fordern viel Aufmerksamkeit da sie unglaublich kurvenreich sind. Dadurch stimmen die Fahrzeitangaben in GoogleMaps hinten und vorne nicht. Wir brauchen wesentlich mehr Zeit um zum nächsten Ziel zu kommen. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, da wir mit dem schönen Wetter fahren das nur langsam Richtung Süden ziehen will . Aber so kommt es, dass wir für den Süden den perfekten Zeitpunkt abpassen. Denn wir kommen in strahlendem Sonnenschein in den „Wetlands“ im Süden an. Diese Fjordlandschaft heißt nicht umsonst „Wetlands“, denn es regnet hier ca. 300 Tage im Jahr.

 

Milford Sound

Das wir hier in DEM touristen Highlight Neuseelands angekommen sind, merken wir auch recht schnell an den Preisen. Eine Bootsfahrt durch den Milford Sound, einer wunderschönen Fjordlandschaft zur tasmanischen See hinaus, lassen wir uns trotzdem nicht nehmen. Und wir werden nicht enttäuscht. Die Fjorde sind bei strahlendem Sonnenschein wunderschön anzusehen. Riesige Wasserfälle und eine atemberaubende Landschaft erstrecken sich vor uns. Zum Glück gibt es hier nicht all zu viele Fliegen… denn wir sitzen am Bug des Ausflugsschiffes und bekommen die Münder vor lauter staunen nicht mehr zu.

Der 1. von ca. 100 Wasserfällen ?

 

Da die Landschaft um die Fjorde auch generell sehr schön ist, machen wir am nächsten Tag eine längere und seeeeehr steile Wanderung hoch auf einen der Fjordekäme. Keine Ahnung wieviele Höhenmeter es sind, aber dem Muskelkater am nächsten Tag zu urteilen, haben wir mindestens den Himalaja bestiegen…naja, oder mindestens den Kilimanjaro… unglaublich wie viele Muskeln man in den Beinen hat. Der Ausblick war es aber wert und wir können sagen, den anstrengendsten Teil des „Milford sound great walks“ gelaufen zu sein. Diese mehrtägige Wanderung über insgesamt 60km hätten wir eigentlich auch gerne gemacht, mussten jedoch vor unserer Ankunft bereits feststellen, dass wir dafür 1 Jahr im Voraus die Hütten für die Übernachtungen hätten reservieren müssen. Ein bisschen schade aber vielleicht hätte uns der Marsch, im Nachhinein betrachtet, auch nicht in eine der Hütten, als vielmehr ins nächstgelegene Krankenhaus geführt weil uns die Beine abgefallen wären.

Sensationell

 

Nach zwei Tagen ist dann auch wieder Schluss mit Sonnenschein und das übliche Regenwetter kehrt zurück in die Wetlands. Deswegen fahren wir weiter nach Queenstown, der mit Abstand größten Outdoor-, Action und Adrenalinjunkie-stadt die wir jeh gesehen haben. Hier ist definitiv das Adrenalinjunkie-Mekka! Es gibt alles an Extremsportarten und noch mehr als man sich vorstellen kann. Wir beobachten die Wassersportler, Bungee- und Fallschirmspringer sowie Paraglider. Für alle mit halbwegs Respekt vor Höhe und ausgeprägtem Selbsterhaltungstrieb (auf Neudeutsch: Schisser) ist das Zuschauen alleine bereits aufregend…Wir lösen uns dann aber trotzdem… fürs Erste, der Moment des Wahnsinns soll ja noch folgen…

Von Queenstown geht es in einem Rutsch durch zurück nach Christchurch. Auf der Durchreise genießen wir noch die glasklaren Gletscherseen Lake Pukaki und Tekapo.

Nach 3 Wochen und nachdem in China wahrscheinlich 30.000 Kopien für den Schwarzmarkt angefertigt wurden, hat es Käthe’s Führerschein doch endlich nach Neuseeland geschafft. Sie freut sich wahnsinnig…endlich links fahren… mit Automatik… sie ist völlig aus dem Häuschen .

In Christchurch machen wir dann gleich noch 3 Tage Chilli-Vanilli… wir machen schöne Strandspaziergänge, lesen und freuen uns übers Nichtstun. Denn nachdem wir mittlerweile fast 4000 Kilometer durch Neuseeland gefahren sind, jede Nacht woanders geschlafen haben, stellt sich so langsam der Wunsch ein doch mal etwas länger an einem Ort zu verweilen und nicht jeden Tag das Zelt inklusive Inhalt auf und ab zu bauen. Das wird auf die Dauer nämlich doch etwas anstrengend. Leider gibt es hier in Neuseeland derart viel zu sehen, dass man ständig die „Angst“ im Nacken hat, nicht alles sehen können oder was zu verpassen. Mit diesem Dilemma hadern wir noch etwas und stellen entsetzt fest, dass selbst 6 Wochen für Neuseeland noch als zu wenig erscheinen.

Abel-Tasman Nationalpark & Cape Farewell 

Nach den 3 Tagen geht es wieder ins Auto und in geschmeidigen 6 Stunden geht es von Christchurch durchs Landesinnere bis in den Norden rauf. Hier erwartet uns der Abel-Tasman Nationalpark mit endlosen Stränden und wüstenhaften Dünenlandschaften. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem Fallschirmsprung-Center vorbei und ein Träumchen von Käthe (eigentlich war es Paragliden aber irgendwie erscheint Fallschirmspringen plötzlich viel interessanter) geht in Erfüllung.

Nach den ersten Infos und anfänglichem zögern im Fallschirmcenter ob morgen oder doch lieber übermorgen und den unglaublich kreativen Ausreden die mir plötzlich durch den Kopf gehen, heißt es plötzlich: „Willst du jetzt?“ Da gibt es keine Zeit mehr für Zögern… jetzt oder nie. Das Adrenalin schießt mir so plötzlich in den Kopf, dass ich mich gar nicht mehr darauf konzentrieren kann was eigentlich auf dem englischen Infozettel steht den ich unterschreiben muss. Das einzige was ich verstehe, ist „alles auf eigene Gefahr“. Wenige Minuten später geht es schon los, keine Zeit zum Nachdenken (zum Glück) rein in den Anzug, noch eben den Tandem Springer kennen lernen und ab ins Flugzeug. Hier sitzt man dicht an dicht gequetscht nebeneinander und darf den wunderschönen Ausblick genießen. Kurz nach dem Start steigt die Aufregung nochmal richtig heftig an aber je höher das Flugzeug steigt desto ruhiger werde ich komischerweise. Gespannte Vorfreude kommt in mir auf… „Ich werde gleich aus einem Flugzeug aus 4300 m (13.000 Fuß) Höhe springen, ich muss völlig durchgedreht sein“. Der Tandembegleiter fragt warum ich den Sprung machen möchte und die Ruhe breitet sich immer weiter aus. Die Aussicht ist wunderschön und dann geht auf einmal die Tür auf und es geht los. Ich sitze in der offenen Tür des Flugzeugs gucke völlig ungläubig in die Wolken und weiss, dass ich jetzt gleich sehr seeeeeehr tief fallen werde. Die letzte Instruktion ist „jetzt atme nochmal tiiiief durch und dann spring!“… darauf folgen 45 Sekunden freier Fall bevor sich der Fallschirm öffnet. Es steigt pure Begeisterung auf! Einfach nur genial, ein einzigartiges Erlebnis, dem ist nichts weiter hinzuzufügen! Außer, dass ich überglücklich darüber bin dass ich nicht spucken musste (ein weitverbreitetes Phänomen beim Fallschirmspringen) . Noch einige Stunden nachher fühlt es sich an wie ein Rausch.

Wiegen

 

Tags darauf verbringen wir am Cape Farewell, einer Landzunge ganz im Norden. Von der Massenwalstrandung mit knapp 300 Tieren ist bereits ein paar Tage später nichts mehr zu sehen. Wir schlendern den Strand entlang und als wir uns durch die Dünen schlagen wirkt es auf einmal als wären wir mitten in der Wüste. Zufällig finden wir am Strand eine portugiesische Galere (eine sehr giftige Quallenart). Barfuß am Strand schlendern kann hier schon so seine Tücken haben

Cape Farewell

 

Kleine Geschichte am Rande: hier in Neuseeland gibt es eine sehr nervige, aggressive und in großen Schwärmen vorkommende Mückenart, die gemeine Sandfliege. Sie braucht, ähnlich wie die Mücke, Blut um in seichten Gewässern Eier legen zu können. Wo eine ist, sind ihre 99.999 Kumpels meist nicht weit. Ihr Biss tut weh und hinterlässt einen mindestens 1 Woche lang juckenden Stich. Man kann sie im Gegensatz zur Europäischen Mücke nicht hören und sie sind auch viel viel kleiner. Da leider kaum ein Mückenmittel hilft, versuchen wir also auf Hausmittelchen zurückzugreifen und essen haufenweise Knoblauch… 2 Zehen pro Person und Mahlzeit mindestens… Hilft zumindest bei Pferden, wie wir von einer Pferdeliebhaberin lernen. Frank wird, obwohl er nun 3 Meilen gegen den Wind stinkt, trotzdem gebissen… da wünscht man sich schon fast die handelsübliche Mücke zurück. Da weiß man wenigstens woran man ist.

Am nächsten Tag entscheiden wir uns im Nationalpark spontan für eine Kayaktour in einer Bucht und genießen das türkisblaue, klare Wasser und paradiesische Strände die wir ganz für uns alleine haben (abgesehen von den Robben). Hier kommt echt ein bisschen Karibikgefühl auf… bis wir trotz (oder wegen???) der Knoblauchwolke, von einer Gang Sandfliegen entdeckt werden. Ab dem Zeitpunkt wurde es dann bei uns ein wenig hektisch.

The Beach

 

Ähnlich wie mit den Sandfliegen hier auf Neuseeland verhält es sich im übrigen auch mit den Deutschen… wo einer ist, sind die 99.999 anderen nicht weit. Wer hier herkommt und glaubt seine englischen Sparachkenntnisse aufbessern zu wollen täuscht sich gewältig. Das einzige was man hier sprachlich aufbessern kann sind seine Deutschkenntnisse. Das Neuseeland als Reiseland in Deutschland sehr beliebt ist, wussten wir. Das sich hier aber so viele Deutsche tummeln, erschreckt uns ein wenig. Und leider hinterlassen Sie auch bei den Kiwis (und auch bei uns) nicht den besten Eindruck. Meistens handelt es sich um endpubertierende frisch-Abiturinhaber die hier Work & Travel machen und sich beim Travel aber leider als sehr rücksichts- und respektlos erweisen. Dazu muss man wissen, dass den Neuseeländern nichts so heilig ist wie ihre Natur (abgesehen von ihren all blacks Rugbyspielern). Die Natur, die Tierwelt und auch ihre Kultur genießen hier den höchsten Stellenwert. So ist es beispielsweise Gesetz in Neuseeland das kein Nationalpark oder keine Sehenswürdigkeit Geld kostet, weil es jedem Neuseeländer gehört. Im Gegenzug dafür wird verlangt, dass man diese Orte mit entsprechendem Respekt und Nachhaltigkeit behandelt… und genau das lassen viele deutsche Work & Traveler leider vermissen und benehmen sich sehr daneben. Selbst das Benutzen von Mülleimern oder zur Verfügung gestellten (sehr gepflegten) Toiletten scheint im Backpackerleben oder im Partyrausch dann nicht möglich! …ein wenig schämen wir uns. Zusätzliche Würze bekommt das Thema, wenn man in den Nachrichten zu lesen bekommt, wie viele Deutsche sich in Deutschland gerade darüber aufregen, dass die Ausländer sich doch bitte entsprechend den deutschen Sitten verhalten möchten…

Nach ein paar schönen Tagen, fahren wir weiter Richtung Picton. Von dort werden wir dann mit der Fähre Richtung Nordinsel aufbrechen. Von anderen Touris (Deutschen, wie soll es auch anders sein) haben wir erfahren, dass die Nordinsel landschaftlich ganz anders sein soll als die Südinsel. Wir sind sehr gespannt.

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3 Kommentare

  1. weltreiseonline 2. März 2017 — Autor der Seiten

    Hello zusammen,

    das Problem, das beim durchklicken der Bilder, die Seite jedesmal neu lädt ist behoben.
    …ich Trottel habe die so genannte AJAX Navigation ausgeschaltet… hätte man auch gleich drauf kommen können

    Liebe Grüsse,
    Frank

  2. Maya 25. Februar 2017

    Du Sensation Seekerin! Ich hab beim lesen schon nasse Hände bekommen…Aber nochmal, ich bin ganz beeindruckt! Viel Spaß noch und wie nett, dass Frank sich stechen lässt, damit Käthe in Ruhe gelassen wird 😉

  3. Tanja 25. Februar 2017

    Eure Begeisterung ist ansteckend, da möchte man gleich los
    Wunderschöne Bilder was für eine herrliche Natur atemberaubend.
    Schade das sich immer mehr Menschen nicht bewusst sind, was sie damit anrichten, wenn sie ihren Müll überall hinterlassen.
    Hut ab mein liebes Kindelein dein Sprung wird dir ewig in Erinnerung bleiben da kannst du deinen Enkelkindern noch von erzählen.

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